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Arve Brunvoll

Moral in der eritreischen Gesellschaft

Ein eritreisch-norwegisches Forschungsprojekt



english  


Moral in der eritreischen Gesellschaft
Eritreisch-
norwegisches Forschungsprojekt

Prof. Dr. Arve Brunvoll
The Norwegian Teacher Academy
School of Religion and Education
P.O. Box 74 Sandviken
N-5812 Bergen
NORWEGEN
emailarve.brunvoll
@vh.nla.no

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  Eritreas Geschichte ist im Wesentlichen durch ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen gekennzeichnet. Der über 30 Jahre währende Kampf für die Unabhängigkeit vereinte unterschiedliche Interessengruppen und führte zur Entwicklung einer nationalen Identität über ethnische und religiöse Grenzen hinweg. Die gegenwärtige Periode der Rekonstruktion nach der lang erwarteten Unabhängigkeit ist eine kritische Zeit für die eritreische Gesellschaft und das eritreische Volk. Eine friedliche Weiterentwicklung hängt vorrangig von der Stärkung der zwischen den ethnischen Gruppen entstandenen Bindungen und der Vertiefung des gegenseitigen Verstehens und Respekts zwischen den verschiedenen religiösen Gruppen ab.



 Zielsetzung des Projekts

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  Aus diesem Grund scheint gerade das multiethnische und multireligiöse Eritrea interessante Bedingungen für die Untersuchung aufeinandertreffender Wert- und Moralvorstellungen und die Versuche, diese zum Wohle der Gemeinschaft zu harmonisieren, zu bieten. Das im Entstehen begriffene norwegisch-eritreische Forschungsprojekt Moral in der eritreischen Gesellschaft widmet sich der Analyse moralischer Werte, Traditionen und Haltungen in den verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen in Eritrea.

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  Das Projekt hat folgende Zielsetzung:
– die Art und Weise, wie Werte informell und formell in den verschiedenen ethnischen Gruppen und religiösen Gemeinschaften Eritreas vermittelt werden, zu untersuchen und zu vergleichen,
– das Verhältnis zwischen religiöser Zugehörigkeit und der Wahrnehmung und Interpretation von Grundwerten in der eritreischen Kultur zu untersuchen,
– Möglichkeiten und Grenzen für die Entwicklung von Haltungen auszumachen, die ein gegenseitiges Verstehen und den Respekt zwischen den Mitgliedern verschiedener religiöser Gruppen in einer multikulturellen Gesellschaft unterstützen,
– Forschungsmodelle und -strategien zu entwickeln, die in ähnlichen Forschungsvorhaben in anderen afrikanischen Kulturen angewendet werden könnten,
– Möglichkeiten für die Entwicklung einer gemeinsamen Ethik zu bedenken, die den Weg zu gegenseitiger Achtung und Toleranz über ethnische und religiöse Grenzen hinweg ebnen sowie eine freiedliche Koexistenz fördern könnte,
– zur Erweiterung der Forschungskompetenz in Eritrea beizutragen.



 Methode

Das von Arve Brunvoll und Trygve Bergem in Kooperation mit Wissenschaftlern aus eritreischen religiösen Gemeinschaften initiierte Forschungsprojekt möchte eritreische Traditionen und Geisteshaltungen untersuchen – als Bedingungen für die Entwicklung von Toleranz und friedlicher Koexistenz in einer multikulturellen Gesellschaft, vermittelt durch formelle und informelle Erziehung in Gesellschaft und religiösen Gemeinschaften.

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  Die Komplexität des Problems und die Besonderheiten der geplanten Untersuchung erfordern ein gründliches Überdenken der methodischen Vorgehensweise. Es gilt, dem Umstand der Mehrsprachigkeit in Eritrea oder der hohen Analphabetenrate genauso gerecht zu werden wie den Unterschieden und vielfältigen Traditionen in den einzelnen Subkulturen, die dazu führen, daß Wertvorstellungen in je sehr verschiedenen Art und Weise ausgedrückt werden.

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  Diese Gegebenheiten schränken in der Wahl der Forschungsmethode stark ein. Gleichzeitig stellen Entwicklung und Anwendung einer angemessenen methodischen Herangehensweise eine der größten Herausforderungen dar, denen wir uns von Anfang an gegenübersehen.

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  In Anbetracht dieser Situation haben wir uns für Methoden aus der Feldforschung entschieden. Mittels Formen der unstrukturierten/strukturierten Beobachtung, Tonbandaufzeichnungen von Interviews und Lebensgeschichten, sowie der Interpretation ethischer Dilemmas sollen die Wahrnehmung und Vermittlung moralischer Werte dokumentiert werden.



 Die Hypothese

Arve Brunvoll
ist Professor an der Norwegian Teacher Academy for Studies in Religion and Education in Bergen.

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  Denn unsere Arbeitshypothese ist, daß eine Ethik immer im besonderen Charakter eines umfassenden kulturellen Kontextes gründet. Die Frage nach einer gemeinsamen oder universalen Ethik kann somit kaum allein auf einer abstrakten Metaebene gelöst werden, sondern vielmehr nur durch Bezugnahme auf das expliziten Selbstverständnis der verschiedenen Kulturen. Eine trans- oder interkulturelle Erziehung zu Toleranz und friedlicher Koexistenz kann konsequenterweise nur auf solchen Grundelementen basieren, die den verschiedenen Kulturen selbst inhärent sind. Das heißt, sie muß die Integrität der jeweiligen Kulturen respektieren, als auch deren dynamische Veränderung in Betracht ziehen, die dem konkreten Zusammentreffen der Kulturen entspringen, wobei ihnen diese Veränderungen nicht aufgezwungen werden dürfen.

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  Die Frage nach einer universalen oder gemeinsamen Ethik ist eine der ewigen Fragen der Ethiktheorie. In der gegenwärtigen Situation ist sie jedoch in fundamentaler Weise zu mehr als einer theoretischen geworden. Die Gründe dafür sind offensichtlich:
  1. Die Gesellschaften in der entwickelten Welt sind multikulturell geworden.
  2. Die Weltlage verlangt für eine nachhaltige ökologische Entwicklung gemeinsame Entscheidungen.
  3. Das Wiederaufleben ethnischer, kultureller und religiöser Spannungen schafft Brüche in den Ländern und Regionen Afrikas, des Mittleren Ostens und auch in Europa.



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